Artikel in der Rheinischen Post, Samstag, 15.März 2003

interview
Mit Klaus Ebbers

Premiere mit Mexikaner

KRANENBURG (RP). Das Museum Katharinenhof lebt auf wie eh und je. Obwohl hier allein ehrenamtlich gearbeitet wird, kann sich das Ausstellungsprogramm mit manch professionellen Haus durchaus messen, wird hier auch in der Ära nach Hans van der Grinten hervorragende Arbeit geleistet. Das neue Ausstellungs-Programm hat Klaus Ebbers zusammengestellt, der beim Katharinenhof die künstlerischen Fäden in den Händen hält. Mit Klaus Ebbers sprach RP-Redakteur Matthias Grass.

Sie haben wieder attraktive Malerei für die Räume des Katharinenhofes ausgewählt?

Ja - es ist ja vor allem Malerei, die wir hier adäquat präsentieren können.

Sie halten die Kontakte zu den Akademien?

Nach Düsseldorf und Antwerpen sind sie gut ausgebaut. Dazu kommen die Niederlande im grenznahen Raum. Und durch die Arbeit mit den Künstlern kommen immer neue Kontakte dazu. Außerdem verfolgen wir natürlich die Kunstmessen, halten Kontakte zu Galerien.

Mit Carlos Estrada-Vega ist Ihnen sogar eine Premiere gelungen - der in den Staaten bekannte Mexikaner zeigt im Katharinenhof erstmals in einem deutschen Museum seine Bilder. Wie geht es weiter?

Im Juni kommt Julia van Koolwijk. Die hat schon in Kleve im Rahmen der Gruppenaussstellung "Und keiner hinkt" im Kurhaus Bilder gezeigt. Ihre Malerei geht auf das fotografierte Porträt zurück. Im Katharinenhof präsentieren wir Bilder, auf denen sie ihre Künstlerkollegen porträtiert. Dazu werden dann beispielhafte Arbeiten der Porträtierten gezeigt.

Die nächste Ausstellung heißt dann schlicht Malerei.

Das ist ab Ende September Matthias Köster - seine Bilder sind von besonderer Intensität. Er zeigt seine Werke in diesem Jahr auch in Madrid und New York. Den Abschluss macht schließlich Angelo Evelyn - eine Ausstellung, die noch unter Hans van der Grinten projektiert wurde. | Bericht im Lokalen Feuilleton

 

Rheinische Post, Samstag, 15.März 2003

FEUILLETON FÜR DAS KLEVER LAND

 Erstmals in deutschem Museum: Der Mexikaner Carlos Estrada-Vega im Katharinenhof

Klötzchen leuchtender Farbe

KRANENBURG. Eine grandiose Farbigkeit .‑ grelle Farben, abgetönte, Farben in allen Schattierungen, hell und dunkel, nicht nur in den Primärtönen sondern in allen erdenklichen Mischungen. All diese Farben sind zu einem leuchtend schrillen Farbteppich voller Kraft zusammengesetzt. Eine Kraft, die so stark ist, dass schon kleine Bilder Besitz von der ganzen Wand ergreifen, sie ausfüllen. Carlos Estrada-Vega schuf diese Farbkompositionen, die das Museum Katharinenhof ab Sonntag präsentiert.

Diese „Bilder" sind aus vielen kleinen einzelnen Werken zusammengebaut, die oft nur wenige Quadratzentimeter groß sind, den Bildern die zweidimensionale Fläche nehmen und sie im steten Auf und Ab wie ein Farbrelief formen. Denn nicht alle dieser kleinen Klötzchen ‑ besser muss man sagen: der monochromen Farbquader ‑ sind gleich groß. Aber jedes für sich gilt als eigenständiges Werk: Der in Los Angeles lebende Mexikaner baut diese kleinen, nur wenige Zentimeter großen Klötzchen wie klassische Keilrahmen. Über ein Holzstückchen wird eine Stück Leinwand gezogen, die grundiert wird. Darauf folgt ein dicker, pastoser Farbaufstrich. Damit diese Farbe einen matten Ton bekommt, mixt Estrada-Vega Steinstaub dazu. Manchmal entstehen in einem Monat Tausende dieser Farbklötzchen. Diese Klötzchen, in die auch ein kleiner Magnet eingearbeitet ist, klippt der Mexikaner in einem schnellen, dem intuitiven Farbgefühl ebenso wie dem Zufall vertrauenden Akt auf eine flache Eisenplatte zu seinen überraschenden Farbkompositionen - dynamische Farben in ausgewogener Komposition, wie Lily Faust zu einer New Yorker Ausstellung mit Werken Estrada-Vegas schrieb. Dabei können diese Bilder auch über einen Quadratmeter und mehr groß sein. Aber auch jedes nur wenige Zentimeter messende Klötzchen gilt als eigenständiges Werk ‑ und damit reiht sich Carlos Estrada-Vega durchaus in die Reihe der Minimalisten ein, wie sie beispielsweise das Kurhaus in Kleve präsentiert.

Die Farben als solche mischt er nach Vorbildern aus seiner Heimat, nach indianischen Motiven und Farbtafeln, was den eigenartigen Mix von Farbtönen ergibt, die hier in Europa so fremd erscheinen. Farbtöne, wie sie auch Frida Kahlo verwendete: „Die Farbigkeit ist die Größe Mexikos", soll die große Malerin über ihre Heimat gesagt haben. Überhaupt zeigt Estrada seine farbenfrohen Bilder erstmals in einem deutschen Museum, insgesamt sind es fast 30 Werke. Darunter auch „Arbeiten auf Papier". Wobei das wörtlich zu nehmen ist: Denn der Mexikaner trägt die Farb-Quadrate so pastos in einer dicken Schicht auf, dass sich schon wieder Klötzchen ergeben und auf dem Papier jene reliefartigen, skulpturalen Bilder entstehen.

MATTHIAS GRASS

Carlos Estrada-Vega. malerei. Die Eröffnung ist am Sonntag, 16 März, 11 Uhr durch den Kranenburger Bürgermeister. Es spricht Klaus Ebbers. Bis 18 Mai. Täglich außer Montag 14 bis 17 Uhr. „Frida" wird im Mittwochskino in Kleve laufen, am 7. Mai 20.15 Uhr.