Gesamtschule   Am Lauerhaas   Wesel

Diagnostik am Lauerhaas

Gesamtkonzept

„Diagnostik am Lauerhaas“

 

 

In unserem Schulprogramm haben wir festgelegt, dass wir unter dem Motto „Es ist normal verschieden zu sein“ ein „vielfältiges Schulleben“ gestalten, „indem alle Schülerinnen und Schüler nach individuellen Fähigkeiten gefördert werden“.

Neben der pädagogischen Diagnostik, die als Bestandteil des regulären Fachunterrichts im Rahmen der Lernprozesssteuerung eine Aufgabe jeder Lehrkraft ist, gibt es Schülerinnen und Schüler für deren Förderung eine weitergehende Diagnostik notwendig wird, um ihnen sinnvoll und fundiert weiterhelfen zu können.

Das vorliegende Konzept konkretisiert und systematisiert den Ablauf der Testverfahren im Rahmen einer weiterführenden Diagnostik an unserer Schule. Es legt standardisierte Testverfahren, Zuständigkeiten und Abläufe fest, auf die wir uns am Lauerhaas geeinigt haben.


1. Ausgangslagen

In unterrichtlichen und außerunterrichtlichen Situationen, in Kontakten mit dem Schüler/der Schülerin, den Eltern und den Mitschülerinnen und Mitschülern machen die Mitglieder des Lauerhaaskollegiums vielfältige Beobachtungen, die in den Teams und Konferenzen besprochen und analysiert werden.

Im Sinne dieses Konzeptes ergeben sich folgende Ausgangslagen für die eventuelle Notwendigkeit einer weiterführenden Diagnostik:

 

A)

Eine unklare Lernsituation

(z.B. Verdacht auf Überforderung / Unterforderung).

B)

Erschließung von Begabungsreserven.

C)

Ursachenforschung bei Unterrichtsstörungen.

 

2. Mögliche Testverfahren

a. Welche Verfahren können zum Einsatz kommen?

Die folgenden Testverfahren können am Lauerhaas zum Einsatz kommen und sind im Haus verfügbar.  Für alle Verfahren ist eine zuständige Lehrkraft oder ein Team aus Lehrkräften benannt.

 

Was wird getestet?

Welche Zielgruppe?

Welche Altersstufe?

Testverfahren

Wer führt den Test durch?

Erfassung informationsverarbeitender und kognitiver Fähigkeiten

Lernschwierigkeiten, unklare kognitive Entwicklungsauffälligkeiten

3 – 18 Jahre

KABC-II

 

Beauftragte für Begabungsförderung (TRO);

Lehrkräfte für Sonderpädagogik

(KÖP)

 

 

IQ, nonverbal

 

 

Lernschwierigkeiten,

auch bei Sprachbarrieren

6 – 40 Jahre

SON-R 6-40

 

Beauftragte für Begabungsförderung (TRO);

Lehrkräfte für Sonderpädagogik (KOR/SOZ)

 

 

Problemfragebögen

 

 

 

dienen der Grundlage für ein problembezogenes Beratungsgespräch

11 – 14 Jahre

PF 11-14

Fachkräfte für die Schulsozialarbeit (LEN/GSL)

 

Fragebogen ES – Verhaltensauffälligkeiten

 

 

 

emotionale, oppositionelle und dissoziale sowie hyperaktive Störungen

4 – 16 Jahre

SDQ

Lehrkräfte für Sonderpädagogik (SOZ)

 

Entwicklungspäd. Lernziel-Diagnosebogen

 

emotional-sozial auffällige Kinder u. Jugendliche

bis 16 Jahre

ELDiB

 

Lehrkräfte für Sonderpädagogik (KÖP)

 

 

Leseverständnis

 

JG 5-6

 

ELFE

 

Lehrkräfte für Sonderpädagogik (KÖP)

 

Lese- und Rechtschreib-kompetenz*

DST*

Fachlehrkräfte Deutsch*

HSP*

Fachlehrkräfte Deutsch*

* vgl. LRS-Konzept der Schule

 

Schülerinnen und Schüler, die sich in der Erstförderung für Deutsch als Zweitsprache befinden, können nicht verlässlich mit allen genannten Verfahren getestet werden, da die Verfahren standardisiert sind.

 

b. Hinweise zu den einzelnen Testverfahren

SON-R 6 – 40 (Snijders-Oomen Non-verbaler Intelligenztest)

Was wird getestet?

Es ist ein Intelligenztest, der grundlegende kognitive Fähigkeiten wie das abstrakte, schlussfolgernde und räumliche Denken abprüft/erfasst. Das Testverfahren kann auch nonverbal durchgeführt werden.

 

Welche Zielgruppe?

Schüler mit Lernschwierigkeiten, die die Unterrichtsinhalte kognitiv nicht erfassen und auch nur schwer wieder abrufen können. Auch für Schüler geeignet, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind.

 

Welche Altersstufe?

Von 6 bis 40 Jahren- also Jahrgang 5 bis Q2

 

 

SDQ (Strenghts and Difficulties Questionaire)

Was wird getestet?

Der SDQ ist ein Fragebogen zur Erfassung von Verhaltensauffälligkeiten und    -stärken bei Kindern und Jugendlichen. Neben einer Elternversion existieren Versionen für die Selbstbeurteilung durch Jugendliche und die Fremdbeurteilung durch Lehrer.

 

Welche Zielgruppe?

Schülerinnen und Schüler, bei denen emotionale Störungen, oppositionelle und dissoziale Störungen sowie hyperaktive Störungen abgeklärt werden sollen.

 

Welche Altersstufe?

Kinder und Jugendliche im Alter von 4 bis 16 Jahren.

 

 

KABC-II (Kaufmann-Assessment Battery for Children, Second Edition)

Einsatzbereich

Die Kaufmann Assessment Battery for Children - Second Edition (KABC-II) ist ein Individualtest zur Erfassung informationsverarbeitender und kognitiver Fähigkeiten bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 3 bis 18 Jahren.

 

Charakteristika und Vorzüge

Die KABC-II erfasst einen breiten Bereich von Fähigkeiten einschließlich der sequentiellen und simultanen Verarbeitung, dem Lernen, dem Problemlösen und kristalliner Fähigkeiten, die für das Verständnis der Kinder mit Lernschwierigkeiten oder psychologischen Problemen grundlegend sind.

Die KABC-II misst diese Fähigkeiten in einer Weise, die Unterschiede in den Testwerten zwischen verschiedenen ethnischen und kulturellen Gruppen minimiert und daher zu zuverlässigeren Aussagen für Kinder und Jugendliche unterschiedlicher Herkunft führt.

 

Die KABC-II überlässt dem Anwender die Entscheidung, ob er mit einem Kind die Tests, die sich auf erworbenes Wissen beziehen, durchführt oder nicht. Dies ist möglich, wenn der Anwender annehmen muss, dass diese keine validen Indikatoren der Leistungsfähigkeit sind (z. B. bei Sprachproblemen).

 

Die KABC-II verfügt über eine nonverbale Skala, die eine valide Beurteilung von Kindern mit eingeschränktem Hörvermögen, schweren Sprachstörungen, begrenzten Deutschkenntnissen usw. ermöglicht.

Die KABC-II ist durch die Aufteilung in Kern- und Zusatztests zeitsparend aufgebaut. Die Durchführung der Kerntests liefert Testwerte für alle Skalen und den Gesamttest. Die zusätzlichen Untertests ermöglichen eine weitere Exploration der Fähigkeiten und Prozesse.

Der Protokollbogen der KABC-II führt für jeden Untertest qualitative Kriterien auf, die es dem Untersucher erlauben, seine Beobachtungen über das Verhalten während der Untersuchung zu protokollieren.

 

Normen

Für die deutsche KABC-II wurden bevölkerungsrepräsentative Normen für die 16 Altersgruppen im Bereich von 3 bis 18 Jahren in Deutschland, Österreich und der Schweiz erhoben.

 

Bearbeitungsdauer

Zwischen 30 und 75 Minuten (abhängig vom gewählten Testmodell und dem Alter der Testperson.)

 

 

PF 11 – 14 (Problemfragebögen Alter 11 – 14 Jahre)

 

Der PF trägt zur Datenerhebung über das individuelle Erleben von Kindern und Jugendlichen bei, insbesondere über das Erleben von Problemen. Damit liefert der Fragebogen eine erste Grundlage für ein problembezogenes Beratungsgespräch. Der Test liefert Informationen über die Häufigkeit des Auftretens  bestimmter Probleme, schafft aber auch Anhaltspunkte für die Gewichtung individueller Aussagen.

 

 

ELDiB (Entwicklungstherapeutischer/-pädagogischer Lernziel-Diagnosebogen)

 

Anwendung:

Wenn die Ergebnisse des SDQ positiv sind, dann ergibt eine Testung mit ELDiB weitergehende Handlungsstrategien.

Der entwicklungstherapeutische/entwicklungspädagogische Lernziel-Diagnosebogen (ELDiB) wird eingesetzt, um das Fähigkeitsprofil eines Kindes/ Jugendlichen im Verlauf der Entwicklungsstufen zu beschreiben. Darüber hinaus definiert er die Ziele für den Individuellen Erziehungsplan (IEP) und wird verwendet, um den Fortschritt des Kindes/Jugendlichen zu überprüfen.

 

Was kann das Testverfahren:

}         den Unterstützungsbedarf eines Kindes/Jugendlichen feststellen.

}         das Förder-Setting bestimmen und die Zuordnung zu einer Gruppe.

}         Ziele für das sozial-emotionale Lernen bestimmen.

}         Lernaktivitäten auswählen, die sozial-emotionale Fähigkeiten fördern.

}         den Fortschritt eines Kindes/Jugendlichen im sozial-emotionalen Feld dokumentieren.

 

Aufbau:

Die insgesamt 182 Items sind in 4 Bereichen hierarchisch aufsteigend angeordnet:

1. Verhalten

2. Kommunikation

3. Sozialisation

4. Schulleistung/ Kognition

 

Theoretische Grundlage:

Das Konzept ETEP (EntwicklungsTherapie/ EntwicklungsPädagogik) besitzt vier Leitgedanken:

1. Den Blick auf Stärken richten

2. Der Entwicklungslogik folgen

3. Freude und Erfolg gewährleisten

4. Für bedeutsame Erfahrungen sorgen

 

 

3.        Absprachen zum Verfahren

Damit die Testverfahren zielgerichtet,  systematisch, bedarfsgerecht und dennoch ressourcenschonend durchgeführt werden können, ist ein abgesprochener schulinterner Verfahrensweg zwingend notwendig, der als nicht-öffentlicher Bestandteil dieses Konzeptes allen Mitgliedern des Lehrerkollegiums bekannt ist. Federführend in allen Verfahren und damit die Ansprechperson für Lehrkräfte und Eltern ist die jeweils zuständige Abteilungsleitung. Sie ermittelt die Bedarfe, leitet die Verfahren ein und begleitet die Auswertung bis zur Umsetzung der konkreten Folgemaßnahmen. Alle Testverfahren werden ausschließlich durchgeführt, wenn die Erziehungsberechtigten und die Schulleitung dem zustimmen. Die Erziehungsberechtigten sind wichtige Partner im Prozess. Sie werden zu jeder Zeit umfassend informiert und einbezogen.

Die einzige Ausnahme bildet der Einsatz des Problemfragebogens „PF 11-14“. Die Fachkräfte für die Schulsozialarbeit nutzen diesen Bogen eigenverantwortlich zur Unterstützung im sozialpädagogischen Beratungsprozess.

4.      Systematische Evaluation der Verfahren

Die Inhalte dieses Konzeptes werden als Elemente des Schulprogramms unserer Schule regelmäßig evaluiert. Diese Aufgabe übernimmt der „Qualitätszirkel Diagnostik“, welcher einmal im Schuljahr hinterfragt, ob die Verfahren zielführend und konzeptkonform durchgeführt werden konnten und ob sie den Bedürfnislagen unserer Schülerinnen und Schüler weiterhin entsprechen, um eventuell notwendige Konzeptanpassungen oder -weiterentwicklungen auf den Weg zu bringen.

 

 

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