Fahrt des Projektkurses Geschichte Q2 2019 Drucken

„Deutschland im Wandel“ am Beispiel der Geschichte Berlins erfahren

Wie die deutsche Geschichte bei einer Studienfahrt nach Berlin greifbar wird

Ein halbes Jahr setzten sich die Teilnehmenden der Q2 im Projektkurs Geschichte mit dem Thema „Denkmäler der deutschen Geschichte“ auseinander, um auf einer Studienfahrt in die Hauptstadt Berlin zu Beginn dieses Jahres dieses Wissen zum geschichtlichen Wandel Deutschlands am Beispiel von Denkmälern und Erinnerungssorten konkret anzuwenden.

Zunächst wurden in Vlotho die Lernenden des Kurses in einem zweitägigen Seminar des Gesamteuropäischen Studienwerks (Ostwestfalen) durch Fachvorträge, Workshops und Spiele, wie etwa dem Lernspiel „Tour d´ Europe“, auf die Studienfahrt nach Berlin vorbereitet.

In Berlin erwarteten die jungen Erwachsenen unter Begleitung von Frau Unkel und Herrn Herkommer eine historisch-politische Stadtführung durch Herrn Dr. Schüsselbauer vom Gesamteuropäischen Studienwerk. Wir besuchten unter anderem den lebendigen Alexanderplatz und Berlins historische Mitte.

Am darauffolgenden Tag befassten sich die Teilnehmenden der Studienfahrt mit dem Terrorsystem und der Verfolgung im NS-Regime. Die Atmosphäre beim Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen war beklemmend, als wir zum Beispiel erfuhren, dass manche Täter des KZ Sachsenhausen im Alter der Schülerinnen und Schüler waren. Im Anschluss daran besuchten wir noch das bekannte Holocaust-Mahnmal.

Bei einer Führung durch den Deutschen Bundestag wurden die Schülerinnen und Schüler nicht nur über das parlamentarische System der Bundesrepublik, sondern auch über die Geschichte des Gebäudes informiert, die etwa an den erhaltenen „Graffiti“, die von Soldaten der Roten Armee auf die Wände des Gebäudes gemalt worden waren, deutlich wird. Danach bekamen die Lernenden bei einem fachlich begleiteten Besuch des Deutschen Historischen Museums unter dem Thema „Vom geteilten Deutschland bis zur deutschen Einheit“ weiter Eindrücke zur deutschen Geschichte nach 1945. Am Abend verdeutlichte uns die East Side Gallery, ein künstlerisch gestaltetes Mauerstück, nochmals den hohen Stellenwert unseres heutigen Lebens in einem demokratischen Staat.

Durch das ehemalige Stasi-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen führte uns an unserem letzten Tag in Berlin der Zeitzeuge Thomas Raufeisen, der uns Einblicke in die  Verfolgungsmethoden der DDR-Regierung gab. Sein Vater war inoffizieller Mitarbeiter für das Ministerium für Staatssicherheit und sollte im Industrieunternehmen Preussag Spionage betreiben. Unter einem Vorwand wurde die Familie in die damalige DDR gelockt. Nach Fluchtversuchen in den Westen wurde Raufeisen zu drei Jahren, seine Mutter zu elf Jahren verurteilt, die sie zum Teil in diesem Gefängnis in Hohenschönhausen verbringen mussten. Vor allem die Begegnung mit dem Zeitzeugen Herrn Raufeisen lehrte uns, dass die deutsche Geschichte mitunter aus vielen Einzelschicksalen besteht.

Dieser können wir heute mithilfe von Denkmälern und Erinnerungsorten gedenken, damit demokratische Werte nicht in Vergessenheit geraten.