Gesamtschule   Am Lauerhaas   Wesel

Auschwitz Gedenkfeier 2017 Drucken
„Ich musste mich konzentrieren zu überleben“ (Roosje Glaser).
Der Gedenktag zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz



Freitag, 27. Januar 2017, Willibrordi-Dom, 12.00 Uhr mittags. Alle Bänke des Gotteshauses sind bis auf den letzten Platz besetzt. Zahllose Stühle werden herbeigetragen, damit jeder Besucher an diesem Tag die Gedenkfeier zur 42. Wiederkehr der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz miterleben kann.
Nach dem Orgelspiel des Domkantors Ansgar Schlei begrüßt Pfarrerin Eva Holthuis die Besucher des Doms: die Mitglieder des Rates der Stadt Wesel, die Mitglieder des christlich-jüdischen Freundeskreises, die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Wesel, die Schülerinnen und Schüler der beiden Gymnasien und – am zahlreichsten vertreten – die Schülerinnen und Schüler unserer Schule. In ihrem brillanten Willkommensgruß schlägt die Pfarrerin eine Brücke von den Verbrechen des Holocaust zu unserer Gegenwart, vom Wort der Auschwitz-Überlebenden Roosje Glaser - „Ich musste mich darauf konzentrieren, zu überleben“ -  bis zu dem Auftrag an die Gesellschaft der Gegenwart: „Wir müssen uns darauf konzentrieren, tolerant und solidarisch zu sein.“ Pfarrerin Holthuis verwies auf unser Schulmotto – „Es ist normal, verschieden zu sein“ – das genau diesen Auftrag beschreibt.



Frau Bürgermeisterin Westkamp erinnerte anschließend  bewegend an die Spuren, welche die NS-Zeit auch in Wesel zurückließ. Sie zitierte den Ehrenbürger der Stadt Wesel, Herrn Ernest Kolman, der die NS-Terrorherrschaft durch Flucht nach Großbritannien überlebt hat. Sie zitierte Ernest Kolman, der nicht nur durch seine Besuche mit unserer Schule verbunden ist, sondern auch durch den Stolperstein für seine Familie, für den die Gesamtschule hat die Patenschaft übernommen hat.



Dann erklang das „Lied der Lieder“, eine Komposition des griechischen Komponisten Mikis Theodorakis aus seiner „Mauthausen-Kantate“ zu Texten des KZ-Überlebenden Iakovos Kambanellis. Vermutlich ist dieses tieftraurige Lied noch nie so betörend schön in deutscher Übersetzung gesungen worden wie hier im Willibrordi-Dom. Die drei Sängerinnen der Musik-AG trugen später noch ein Lied des polnischen Komponisten Hirsch Glick vor, der 1944 als 22-Jähriger ermordet wurde: „Sag nicht einmal, dass Du gehst den letzten Weg“, die Hymne des jüdischen Widerstandes im Ghetto von Warschau, ehe das Ghetto im deutschen Namen ausgelöscht wurde.



Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe Q 2 trugen ausdrucksstark drastische Erinnerungen Überlebender von Konzentrationslagern vor. Von Iakovos Kambanellis, der von Fußballspielen der SS mit Menschen als Ball  berichtet, von befohlenem Kannibalismus im KZ Mauthausen oder von den grässlichen Menschenversuchen, welche Roosje Glaser erleiden musste.


Das hochaktuelle szenische Spiel „Gedankenwände einreißen“ hatten Schülerinnen aus der 9. Jahrgangsstufe konzipiert und einstudiert. Ihr Spiel erinnerte den Berichterstatter – ohne jede Übertreibung! – an das Theater beckett’ scher Prägung. Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 6c stellten pantomimisch, ergreifend in aller Kürze die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz dar. Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 6e erinnerten mit ihren ausgelegten Fußspuren an die Opfer des Nationalsozialismus in Wesel. Gerade ihre Fußspuren sorgten unter den Besuchern der Feier für intensive Gespräche, griff diese großartige Idee doch auf bewundernswerte Weise die Idee der Stolpersteine auf, die überall in der Stadt an die Grauen der Jahre 1933-1945 erinnern.

Den Abschluss der Gedenkfeier bildete ein Interview von Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe Q 1 mit Paul Glaser zum Leben seiner Tante Rossje Glaser. Wir sind Herrn Paul Glaser überaus dankbar dafür, dass wir die Worte seiner Tante – „Ich musste mich konzentrieren, zu überleben“ – als Leitsatz für den heutigen Tag nutzen durften. Wir empfinden höchste Freude und auch Stolz, dass er aus den Niederlanden eigens anreiste, um gemeinsam mit uns den Gedenktag zu begehen. Herzlichen Dank dafür, dass Sie bei uns waren. Herzlichen Dank dafür, dass wir an Ihren Erinnerung an „Tante Roosje“ teilhaben durften!

Nach dem Lied „Von guten Mächten“ – geschrieben 1944 von dem großen evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer im Konzentrationslager Flossenbürg, wo er 1945 ermordet worden ist  - beendeten der gemeinsame Lichtergang und die Kranzniederlegung am Mahnmal für die ermordeten Weseler jüdischen Glaubens den Gedenktag, der allen Teilnehmern tief beeindruckt in Erinnerung bleiben wird.